Riesengebirgsnationalpark
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Riesengebirgsnationalpark

Er wurde am 17. Mai 1963 durch Regierungsverordnung ausgerufen. Das Interesse am Schutz der beispiellosen Riesengebirgsnatur hat jedoch noch entschieden tiefere Wurzeln. Kein Wunder – die Riesengebirgsnatur birgt nämlich Schätze von weltweiter Bedeutung.

„Bestimmung des Riesengebirgsnationalparks ist die Aufrechterhaltung und Verbesserung seines Umweltmilieus, namentlich der Schutz und die Erneuerung der selbstregulierenden Funktionen der natürlichen Systeme, der strenge Schutz der frei lebenden Lebewesen und wild wachsenden Pflanzen sowie die Erhaltung seines typischen Landschaftsbildes, die Erfüllung wissenschaftlicher und erzieherischer Ziele und die Nutzung des Nationalparks zu einem ökologisch zumutbaren Tourismus und umweltfreundlichen Urlauberverkehr“.

 

Information

Adresse
Dobrovského 3
543 01 Vrchlabí
Riesengebirgsnationalpark

Fakten über den Riesengebirgsnationalpark

  • Gesamtfläche 550 km2, inklusive Schutzzone (Pufferzone)
  • Meereshöhe: 400 bis 1603 (Schneekoppe-Sněžka) m ü. dM.
  • durchschnittliche Jahrestemperatur: +6°C bis 0°C
  • Niederschlagsmengen: 800 bis 1600 mm/Jahr, Schneedecke 150 bis 300 cm (sie bleibt bis zu 180 Tage im Jahr liegen)
  • blühende Pflanzen über 1300 Arten
  • Wirbeltiere: 240 Arten (57 Säugetier- und 165 Vogelarten)
  • Wanderwege: 800 km beschilderte Winter- und Sommerwege
  • gespurte Skiloipen: in ca. 500 km Länge

Das Gebiet des Nationalparks ist in mehrere Zonen je nach natürlichen Bedingungen und Schutzabsichten aufgeteilt.

  • Die „naturbelassene Zone“ soll zusammenhängende Flächen bewahren, in denen natürliche Prozesse ungestört ihren Lauf nehmen können.
  • Die „naturnahe Zone“ soll einen Zustand herbeiführen, der natürlichen Ökosystemen entspricht.
  • Die „Zone der gezielten Naturpflege“ dient zur Bewahrung und schrittweisen Verbesserung des Zustands hinsichtlich der biologischen Diversität wichtiger Ökosysteme, deren Existenz von menschlicher Tätigkeit abhängig ist, oder ggf. der Erneuerung naturnaher Ökosysteme
  • Zone „Kulturlandschaft“

Verwaltungsmäßig erstreckt sich der KRNAP und dessen Schutz- bzw. Pufferzone auf dem Gebiet dreier Kreise – Trutnov, Semily und Jablonec nad Nisou. Sein östlicher Teil liegt auf dem Gebiet der Region Hradec Králové (65 % seiner Fläche, 45 Gemarkungen auf dem Gebiet von 16 Gemeinden), sein westlicher Teil liegt in der Region Liberec (35 % seiner Fläche, 29 Gemarkungen auf dem Gebiet von 13 Gemeinden)

Vegetationsstufen:

  • submontane Stufe (Mittelgebirgsstufe) – 480 - 800 m ü. dM. - Laub- und Mischwälder
  • montane Stufe (Gebirgsstufe) – 800 - 1200 m ü. d.M. - Fichtenwälder, Bergwiesen
  • subalpine Stufe – 1200 - 1450 m ü. d.M. - Krummholzbestände, Hochmoore, Gletscherkare
  • alpine Stufe – 1450 - 1602 m ü. d.M. - Flechten-, Rasen- und Steintundra
Riesengebirgsnationalpark

Erste offizielle Bemühungen um den Schutz der Natur, bzw. der Flora des Riesengebirges begannen schon vor mehr als hundert Jahren. Im Jahre 1904 erließ der damalige k. u. k. Statthalter in Prag eine Verfügung, in der die Notwendigkeit, die Riesengebirgsflora zu schützen, betont wurde und noch im gleichen Jahr entstand im Riesengebirge auch das erste Naturreservat. Und zwar auf Privatinitiative – ausgerufen von Graf Johann Nepomuk Harrach am Elbgehänge (Labská stráň) auf einer Fläche von 60 Hektar … und zwar fünf Minuten vor Zwölf. Der überschwängliche Blütenreichtum unserer höchsten Berge war damals einem solch ungeheuren Ansturm von Heilpflanzensammlern ausgesetzt, dass viele Arten in ihrer Existenz bedroht waren.

Die Riesengebirgsflora enthält dabei viele Vertreter, die weltweit ihresgleichen suchen – Relikte aus der letzten Eiszeit, z.B. Schnee-Steinbrech, Moltebeere, Lindberg-Torfmoos, Sumpf-Brachsenkraut) sowie auch eine ganze Reihe von Endemiten – also Pflanzen, die nirgendwo anders auf der Welt vorkommen – z.B. Kleine Bibernelle, Sudeten-Zwergmispel, Moschus-Steinbrech, Sudeten-Läusekraut, Sudeten-Glockenblume sowie an die dreißig Habichtskrautarten.

Ein erster Antrag zur Ausrufung eines Nationalparks im Riesengebirge wurde bereits zu Beginn der Tschechoslowakischen Republik ausgearbeitet. Schon im Jahre 1923 legte ihn Herr František Schustler vor. Aber der drohende Krieg verhinderte die Ausrufung eines Nationalparks, ja die Kriegsvorbereitungen hinterließen sogar zahlreiche Narben in der Riesengebirgslandschaft – zum Beispiel das unverwendet gebliebene Band von Betonbunkern und die asphaltierten Zugangswege bis hinauf auf die Kämme. Im Jahre 1931 wurde wenigstens das Reservat der Kesselgruben (Kotelské rokle - heute Kotelní jámy) gegründet, zu welchem weitere hinzukamen – Černohorská rašeliniště (Schwarzenberger Hochmoor), Labský důl (Elbgrund), Obří důl (Riesengrund), Pančavská louka (Pantschewiese) und Úpské rašeliniště (Aupa-Hochmoor) im Jahre 1952 und weitere vier im Jahre 1960. Elf Jahre später wurde unser erster Nationalpark gegründet (der benachbarte polnische „Karkonoski park narodowy“ wurde bereits im Jahre 1959 ausgerufen). Beweis für die internationale Bedeutung der Riesengebirgsnatur ist zum Beispiel das im Jahre 1992 ausgerufene tschechisch-polnische Biosphäre-Reservat UNESCO Krkonoše – Karkonosze. Die Pantschewiese (Pančavská louka) und das Aupa-Hochmoor (Úpské rašeliniště) wurden in die Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung aufgenommen, die Riesengebirgstundra auf den Kämmen ist Teil von Corine Biotopes – eines EU-weiten Gebietskatasters für den Arten- und Biotopschutz, die wertvollsten Partien des Riesengebirges wiederum sind Teil von Natura 2000 - des kohärenten Netzes besonderer Schutzgebiete innerhalb der Europäischen Union.